Hunde vegan füttern? Aber natürlich!

Tierphysiotherapeutin Christine Burggraf und Tierarzt Dr. med. vet. Uwe Romberger empfehlen eine vegane Ernährung von Hunden. In unserer Expertenkolumne berichten sie, welche Erfahrungen sie damit gemacht haben und worauf es ankommt.

Ernährung beeinflusst die Gesundheit von Tier und Mensch

Wir beide ernähren uns seit Januar 2015 konsequent vegan und haben unser ganzes Leben darauf ausgerichtet. Kein Leder und keine Wolle mehr usw. Durch unsere Arbeit haben wir Kontakt mit sehr vielen Menschen und uns schon lange gefragt, warum so viele von Ihnen krank werden. Wir sehen Menschen, die plötzlich Krebs bekommen oder an Alzheimer erkranken. Viele leiden an Diabetes. Einige überleben gerade so einen Herzinfarkt oder sterben daran. Eine ähnliche Entwicklung haben wir bei unseren tierischen Patienten festgestellt. Doch nicht nur alte, sondern eher Tiere in den besten Jahren erkranken immer häufiger an Krebs oder chronischen Entzündungen, die eine Vorstufe zu Krebs sein können. Die einzelnen gesundheitlichen Probleme hatten einen Zusammenhang wurde uns plötzlich klar. Wir hätten es viel früher erkennen können, haben es aber nicht gesehen. Uns keine Gedanken darüber gemacht. Es war wie eine Suche im Dunkeln. Doch plötzlich wurden wir wie von einem Lichtstrahl getroffen und erkannten die Problematik: Die Gesundheit von uns Menschen und die unserer Haustiere wird stark von der Ernährung beeinflusst.

Das war aber nur der Anfang eines Prozesses. In der Folge beschäftigten wir uns über Jahre mit der veganen Lebensweise und ihren Auswirkungen. Bis heute. Wir verbesserten unsere eigene Ernährung. Leben gesünder – denn man kann sich durchaus auch ungesund vegan ernähren. Und das Gleiche tun wir bei unseren Tieren. Inzwischen bieten wir unsere Erfahrungen und unser Wissen auch anderen Hundehaltern an . Geben ihnen die Sicherheit und ermuntern sie den Schritt zu tun, ihre Hunde vegan zu ernähren.

Die Gesundheit bzw. die Ursache vieler Krankheiten war für uns der Einstiegsaspekt in die neue Lebensweise. So sensibilisiert erkannten wir die Tierquälerei. Die Umwelt- und Klimafrevel der Landwirschaft. Die Scheinheiligkeit von sogenannten Tierschützern, die gerettete Hunde mit dem Fleisch gequälter Tiere füttern und die Falschheit von „Tierwohllabel“ für die Haltung sogenannter Nutztiere. Bei Letzterem spielen Tierärzte eine sehr unrühmliche Rolle.

Der Fall der Whippethündin Rosine

Am 15. Januar 2015 kam ein neuer Hund zu uns. An diesem Tag hatten wir gerade unsere Entscheidung getroffen, uns von jetzt auf gleich vegan zu ernähren. Ohne den vegetarischen Zwischenschritt, der inkonsequent ist, weil für eine vegetarische Ernährung auch Tiere gequält, die Umwelt und das Klima belastet werden. Und weil Milch und Eier genauso ungesund sind wie Fleisch. Genau zu diesem Zeitpunkt sollte Whippethündin Rosine als Welpe in unser Hunderudel kommen. Das war irgendwie Schicksal.

Wir hatten zu dieser Zeit fünf Windhunde und eine Huskyhündin vom Tierschutz, die ein harmonisches Rudel bildeten. Rosine war mit ihren fünf Wochen der kräftigste und frechste Welpe des Wurfes. Mit acht Wochen, als wir sie abholten, saß sie jedoch ruhig und wie ein Kümmerer in der Ecke und schien zurückgeblieben. Die kleine Hündin machte uns große Sorgen und wir befürchteten, dass sie die ersten Wochen nicht überleben würde. Rosine aß jedes Futter nur ein Mal und drehte sich beim erneuten Anbieten weg. In den folgenden zwei Wochen führten wir zahlreiche und teilweise sehr aufwendige Untersuchungen durch, um die Ursache für ihre Veränderung herauszufinden. Wir nahmen wiederholt Blut ab und schickten es ins Labor. Es wurden mehrfach Ultraschall und Röntgenuntersuchungen sowie eine Angiografie-Computertomografie durchgeführt. Bei einer Bauchoperation wurden Proben von der Leber genommen und histologisch untersucht.

Die Ergebnisse all unserer Untersuchungen brachten im Ausschlussverfahren eine ernüchternde Erklärung und waren zugleich ein Zeichen für uns! Rosine hatte einen bei Hunden sehr seltenen Enzymdefekt im Harnstoffzyklus – einem Eiweißabbauprozess – und konnte kein tierliches Eiweiß verwerten. Diese Erkrankung nennt man Hyperammonämie. Ab dem Moment als wir die Kleine ohne tierliches Eiweiß, also vegan, ernährten, ging es ihr gut. Ab sofort beschäftigten wir uns noch intensiver mit der veganen Ernährung von Hunden und beobachteten Rosine genau. Nach zwei Monaten stellten wir unser gesamtes Hunderudel um.

Eine erstaunlich gute Akzeptanz

Unsere Hunde fressen sowohl frisch zubereitetes veganes Futter als auch veganes Fertigfutter gerne und vertragen es sehr gut. Einzig bei Soja gibt es, ähnlich wie beim Menschen, einzelne Hunde, die es nicht gut vertragen und mit Durchfall reagieren. Interessanterweise gibt es eine Kreuzallergie von Birkenpollen und Soja. Aber man muss Soja ja nicht verwenden…

Wir finden, dass veganes Futter viel besser riecht als fleischhaltiges Futter. Auch die Hunde selbst riechen viel besser. Das ist eine menschliche, aber nicht ganz unerhebliche Komponente. Wir hören auch immer wieder von Haltern vegan ernährter Hunde, dass diese im Gegensatz zu fleischhaltiger Fütterung kaum Blähungen haben und die Ausscheidungen nicht mehr so unangenehm riechen. Das haben wir ebenfalls festgestellt.

Unseren Hunden ging es vorher auch nicht schlecht. Wie wohl die meisten Hundehalter haben wir schon immer sehr auf Qualität geachtet. Diese ist bei den allermeisten veganen Fertigfuttern gegeben. Die Hersteller achten sehr darauf, dass veganes Futter eben nicht nur Tierschutz-, Umwelt- und Klima-Aspekten, sondern auch gesundheitlichen Belangen genügt. Es ist ja zu erwarten, dass veganes Futter kritischer beurteilt wird und es deshalb einfach qualitativ hochwertig sein muss. Unsere Hunde sind mit veganer Ernährung jedenfalls gesund und leistungsfähig. Sie sind – so wie wir – fast nie krank. Wenn uns oder die Hunde wirklich mal eine Erkältung erwischt, dann höchstens für ein oder zwei Tage und nicht schwer. Wir sind mit ihnen im Agility sportlich aktiv und stellen keine Beeinträchtigung fest. Im Gegenteil, die Hunde sind körperlich und geistig fit.

Am Rande bemerkt kennen wir Windhunde, die fleischhaltig und kohlenhydratfrei ernährt werden, und nach dem Windhunderennen schwanken oder sogar zusammenbrechen. Das ist ernährungsphysiologisch zu erklären, denn schnell verfügbare Energie kann nur aus Kohlenhydraten gewonnen werden. Und der extreme Eiweißüberschuss macht die Hunde krank.

So klappt die Umstellung

Man kann es nicht so ganz pauschal sagen, da es individuelle Empfindlichkeiten gibt, aber normalerweise ist es kein Problem, wenn man die Ration alle zwei Tage zu einem Viertel austauscht. Dann ist der Hund innerhalb acht Tagen umgestellt. Sicher gibt es auch empfindlichere Hunde, bei denen man langsamer vorgehen sollte, aber das ist selten. Wir haben dieser Tage eine einjährige Whippethündin bekommen, die gebarft wurde und gelegentlich (vor allem auf Reisen) fleischhaltiges Trockenfutter bekam. Am ersten Tag gaben wir ein Viertel veganes Trockenfutter zu drei Viertel fleischhaltigem Trockenfutter. Die Hündin zeigte einen häufigen Absatz weichen Kotes. Das war offensichtlich das Normalbild. Daraufhin stellten wir am zweiten Tag komplett auf veganes Trockenfutter um, mit dem Ergebnis einer guten Verdauung ohne Blähungen mit zwei Mal täglich festem Kotabsatz. Also bei den allermeisten Hunden wird es gar kein Umstellungsproblem geben.

Leider gibt es kaum Studien die zeigen, dass es den Tieren nach der Umstellung besser geht. Es sind zumeist Beobachtungen und Erfahrungen, die berichtet werden. Aber die Erklärung ist einfach: Eine einigermaßen vernünftige pflanzliche Ernährung ist kalorienärmer bei einem ausgewogenem Nährstoffverhältnis zwischen Eiweißen, Fetten und Kohlenhydraten. Dabei sind die pflanzlichen Nährstoffe (Fette, Eiweiße und Kohlenhydrate) gesünder als die tierlichen Nährstoffe (Fette und Eiweiße). Viele Tiere und Menschen bilden auf die tierlichen Eiweiße, die im Übermaß aufgenommen werden, Allergien und Unverträglichkeiten aus. Diese verschwinden oft bei einer pflanzlichen Ernährung. Wobei es natürlich auch Unverträglichkeiten auf pflanzliche Eiweiße, zum Beispiel Soja, gibt, diese aber viel seltener sind.

Zucker allerdings, und hier sind chemisch gesehen einfache Zucker gemeint, sind auch vegan, aber keinesfalls gesund. Deshalb sollte man auf eine gesunde, zuckerfreie und ausgewogene pflanzenbasierte Ernährung achten. Komplexe Kohlenhydrate hingegen sind gesund und ein wichtiger Bestandteil der Ernährung.

Warum Tierärzte oft nicht helfen können

Es ist kein Problem der Tierärzte allein. Tierärzte, aber auch Ärzte generell, haben oft wenig Ahnung von Ernährung. Zum einen kommt das Thema – und wir reden noch gar nicht von veganer Ernährung – beim Studium der Human- und auch der Tiermedizin zu kurz. Zum anderen fehlt vielen Ärzten und Tierärzten sowie Menschen überhaupt das Bewusstsein, wie wichtig Ernährung bezüglich des Wohlbefindens, der Gesundheit und der Lebensdauer von Mensch und Tier ist.

Nur ein Beispiel: Nach dem österreichischen Humanmediziner und Ernährungswissenschaftler Professor Dr. Siegfried Knasmüller sind 10 bis 20 Prozent der Krebserkrankungen beim Menschen genetisch bedingt. Diesbezüglich kann die Ernährung nicht helfen. Bei den Krebsursachen der anderen 80 bis 90 Prozent steht das Rauchen an Stelle Nummer zwei, der Alkoholkonsum an Stelle drei, die Ernährung auf der Eins. Die Bedeutung der Ernährung muss einfach viel stärker in das Bewusstsein der Menschen vordringen, damit sich etwas verändert!

Dr. med. vet. Uwe Romberger
Fachtierarzt für Kleintiere Physikalische Therapie (Physiotherapie) für Tiere

Ich bin Tierarzt aus Leidenschaft. Für mich gab es immer schon keinen anderen Beruf. Ich leite, gemeinsam mit meiner Frau Christine, das “Tiergesundheitszentrum Regensburg”. Neben dem tierärztlichen Unternehmen haben wir mit eventVet eine kleine Praxis gegründet, über die wir vegane tierärztlichen Beratung anbieten.

Christine Burggraf
Fachberaterin für Tiergesundheit Tierphysiotherapeutin Osteopathie, Akupunktur

Ich liebe Hunde. Wir hatten zuhause immer welche. Heute habe ich mir einen Traum erfüllt und lebe mit meinem Mann Uwe einem großen Windhundrudel und unserem Siamkater zusammen. Wir ernähren uns alle vegan. Neben meiner Arbeit als Tierphysiotherapeutin liebe ich die Beschäftigung mit unseren Hunden bei der Veranstaltungsbetreuung.