Wie gut ist veganes Futter für mein Tier?

Ist veganes Futter wirklich gut für mein Tier? Tierphysiotherapeutin Christine Burggraf und Tierarzt Dr. med. vet. Uwe Romberger klären in unserer Expertenkolumne auf und geben Tipps für die richtige Ernährung.

Es gibt keine Ausschlusskriterien

Die Frage, ob man Tiere in jedem Fall vegan ernähren kann ist unter Tierärzten und Tierernährern im Besonderen nicht unumstritten. Unserer Meinung und Erfahrung nach gibt es keinen Ausschluss für eine vegane Ernährung von Hunden. Wichtig ist allerdings eine fundierte Futterrationsüberprüfung und anschließende Anpassung der Ernährung…

Symptome erkennen und Maßnahmen einleiten

Die Symptome einer Fehlernährung können so vielfältig sein, wie Krankheiten insgesamt. Wir haben festgestellt, dass sehr viele Erkrankungen durch die Ernährung ausgelöst oder durch sie faktoriell beeinflusst werden. Demzufolge muss bei jedem krankhaften Symptom und jeder Erkrankung die Ernährung mit in die Ursachenforschung einbezogen und gegebenenfalls eine Futterrationsüberprüfung vorgenommen werden.

Wichtig ist, was man füttert!

Es gibt Studien, die warnen vor getreidefreien Futtermitteln mit hohem Anteil an Hülsenfrüchten und/oder Kartoffeln, da bei so ernährten Hunden eine schwere Herzerkrankung (DCM, dilatative Kardiomyopathie) gefördert werden könnte. Die sind uns bekannt. Es kann in der Tat bei einer getreidefreien Ernährung zu einem Taurin- und/oder L-Carnitin-Mangel kommen, wenn die schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystein nicht anderweitig ausreichend zugeführt werden und für die körpereigene Synthese von Taurin und L-Carnitin zur Verfügung stehen. Deshalb ist die Sinnhaftigkeit einer grundsätzlich getreidefreien Ernährung infrage zu stellen. Hier ist auf die Menge an Getreide an der Gesamtfutterration zu achten. Denn zu viele Kohlenhydrate in Form von Getreide sind ernährungsphysiologisch nicht ratsam. Moderate Getreideanteile in der Futterration bei einer guten Mischung der Futterbestandteile sind für die allermeisten Hunde kein Problem. In einzelnen Fällen gibt es tatsächlich eine Getreideunverträglichkeit. Hier wäre wieder eine Futterrationsüberprüfung ratsam, um eine zu geringe Zufuhr oder Bildung von Taurin und L-Carnitin zu vermeiden.

Unsere eigenen Hunde erhalten zwei verschiedene Trockenfutter – aus Zeitgründen Trockenfutter – mit Erbsen und Kartoffeln bzw. mit Linsen und Reis, also teilweise getreidefrei. Allerdings sind Taurin und L-Carnitin dem Futter in ausreichender Menge zugesetzt. Blutspiegelkontrollen bei unseren Hunden haben die ausreichende Versorgung mit Taurin und L-Carnitin bestätigt. Dies sind Stoffe, welche für die Funktion des Herzmuskels unbedingt notwendig sind. Besteht über längere Zeit ein Mangel an einem oder beiden Stoffen, dann kommt es zu einer Herzmuskelschwäche mit Erweiterung des Herzens und letztendlich zum Herzversagen.

Studien belegen: Vegane Ernährung nicht schlechter

Es gibt tatsächlich kaum Studien zur veganen Hundeernährung. Allerdings sind die wenigen Informationen, die auf wissenschaftlichem Wege gewonnen wurden, eher positiv. So habe ich eine Information, dass in einer Versuchsreihe für eine Doktorarbeit, die von Professor Kamphues an der Tierärztlichen Hochschule Hannover betreut wird, „herkömmliches“ und veganes Futter an Hunden getestet wurde. Den Tieren ging es durch die vegane Ernährung nicht schlechter. Des weiteren gibt es eine Diplomarbeit von Pia-Gloria Semp, die von Frau Professor Iben an der VetMedUni Wien betreut wurde, mit dem Titel „Vegan Nutrition of Dogs and Cats“ und es gibt eine Übersichtsarbeit von Knight und Leitsberger aus dem Jahr 2016 „Vegetarian versus Meat-Based Diets for Companion Animals“.

Es ist ein spannendes Thema und zu erwarten, dass es früher oder später mehr Studien zum Thema vegane Ernährung von Hunden und Katzen geben wird. Letztlich ist es, wie so vieles im Leben, eine Frage der Finanzierung der Untersuchungen.

Hunde waren niemals reine Fleischfresser

Man hört häufig von Schulmedizinern: „Hunde (oder Katzen) vegan zu ernähren, grenzt an Tierquälerei. Hunde sind reine Carnivoren.“ Wer es sich so einfach macht, hat sich nicht mit der Thematik beschäftigt und keine Ahnung. Solche Aussagen sind reine Polemik! Von meiner Ausbildung her bin auch ich „Schulmediziner“. Jedoch unabhängig von der Ausrichtung sollte ein Arzt offen sein für verschiedene diagnostische und therapeutische Wege und seinen Patienten als Ganzes betrachten, also nicht nur ein Organ oder einen Laborwert, sondern den ganzen Körper und die Psyche ebenso wie die Lebensumstände mit der Ernährung und die Historie. Wobei man beim Tier sogar noch den Tierhalter mit einbeziehen muss…

Ist der Hund wirklich ein Carnivore? Ich möchte diese streitige (lieber „strittige“, da „streitig“ Rechtsstreitereien zum Gegenstand hat) Frage auf der Grundlage wissenschaftlich anerkannter Literatur erörtern: Es ist allgemein anerkannt, dass der Hund vom Wolf abstammt. In der Arbeit „Ernährungsverhalten von Hunden“ von Jon Bowen kann man Folgendes nachlesen:

„Das Gebiss des Wolfes hat Ähnlichkeiten mit dem des Schakals, eines Omnivoren.“ (Goldenberg M, Goldenberg F, Funk FM, et al 2010; Bradshaw JWS 2006)

Aber: „Aufgrund des Nahrungsspektrums und des Gebisses kann der moderne Wolf als fakultativer Carnivore bezeichnet werden. Der Wolf kann auf der Grundlage einer vollständig tierfreien Nahrung überleben. Vor der Verfolgung durch den Menschen waren die Ernährungsgewohnheiten des Wolfes vielseitiger und eher omnivorer Natur. Während und nach der Domestikation war die Flexibilität dieser omnivoren Natur ein Vorteil, da die Nahrung des Hundes relativ proteinarm war und führte zu der in Genomstudien bei Haushunden festgestellten permanenten Anpassung an eine kohlenhydratreiche Ernährung.“ (Axelsson E, Ratnakumar A et al 2013)

Weiter: „Die Fähigkeit von Wölfen, auf der Grundlage von „zufällig“ gefundener Nahrung und einer vollständig tierfreien Ernährung zu überleben, könnte eine entscheidende Voraussetzung für das Gelingen der Domestikation gewesen sein. … Gefangene junge Wölfe und frühe domestizierte Hunde wurden also auch weiterhin mit einer Nahrung gefüttert, die meist nur geringe Mengen Proteine schlechter Qualität enthielt, ergänzt durch menschliche Nahrungsreste, die zum wesentlichen Teil aus Fett und Kohlenhydraten zusammengesetzt waren.“

Der Hund ist also niemals ein reiner Fleischfresser gewesen und selbst der Wolf war es nicht. Die Entwicklung des Hundes lief vom fakultativen Carnivoren Wolf, der fleischlos überleben konnte, zum über zehntausende Jahre eher omnivor ernährten Haushund.

Aus Tierschutzsicht und unter dem Aspekt einer artgerechten Ernährung ist es allein wichtig, dass der Hund alle essentiellen Aminosäuren sowie alle anderen essentiellen Nährstoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente in ausreichender Menge und im richtigen Verhältnis zueinander erhält und, dass ihm das angebotene Futter schmeckt. Das ist mit einer pflanzenbasierten, also veganen Ernährung sehr gut möglich.

Dr. med. vet. Uwe Romberger
Fachtierarzt für Kleintiere Physikalische Therapie (Physiotherapie) für Tiere

Ich bin Tierarzt aus Leidenschaft. Für mich gab es immer schon keinen anderen Beruf. Ich leite, gemeinsam mit meiner Frau Christine, das „Tiergesundheitszentrum Regensburg“. Neben dem tierärztlichen Unternehmen haben wir mit eventVet eine kleine Praxis gegründet, über die wir vegane tierärztlichen Beratung anbieten.

Christine Burggraf
Fachberaterin für Tiergesundheit Tierphysiotherapeutin Osteopathie, Akupunktur

Ich liebe Hunde. Wir hatten zuhause immer welche. Heute habe ich mir einen Traum erfüllt und lebe mit meinem Mann Uwe einem großen Windhundrudel und unserem Siamkater zusammen. Wir ernähren uns alle vegan. Neben meiner Arbeit als Tierphysiotherapeutin liebe ich die Beschäftigung mit unseren Hunden bei der Veranstaltungsbetreuung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.