Worauf es beim vegan Füttern ankommt

Worauf du bei der veganen Hundenahrung achten solltest. Tierphysiotherapeutin Christine Burggraf und Tierarzt Dr. med. vet. Uwe Romberger klären in unserer Expertenkolumne auf und geben Tipps für die richtige Ernährung.

Wir müssen veraltete Ernährungssicht hinterfragen

Wir alle wurden in unserer Vergangenheit geprägt – durch unsere Familien, durch Gesellschaft und Erziehung. Die meisten Menschen kommen aus einer „omnivoren Ernährungshistorie“ und haben die Anschauung übernommen, dass der Hund ein Fleischfresser ist und nun mal Fleisch für seine Ernährung braucht. Wir müssen also erst einmal auf die Idee kommen, diese Ernährungssicht und Lebenseinstellung zu hinterfragen. Selbst, wenn wir unsere Ernährungsgewohnheiten und die unserer Tiere in Frage stellen, müssen wir uns gegen veraltete und falsche Meinungen behaupten und dem „sozialen Zwang“ widerstehen. Die Meinung der Mehrheit ist nicht immer richtig. Das war schon immer das Problem neuer Sichtweisen und Erkenntnisse.

Eine Futterration ist immer sehr komplex, egal ob sie vegan ist oder nicht. Dafür gibt es mehr oder weniger wissenschaftliche Literatur. Eine pauschale Anleitung kann man allerdings nicht geben. Der Bedarf ist aufgrund des sehr unterschiedlichen Gewichts der Hunde, einer nicht linearen Bedarfskurve und unterschiedlichen Beanspruchung sehr verschieden. Nicht ohne Grund werden so viele Hunde im Laufe ihres Lebens krank. Und viele dieser Krankheiten haben ihre Ursache in der Ernährung. Es ist uns nur oft nicht bewusst, da sich der Einfluss der Ernährung erst nach längeren Zeiträumen bemerkbar macht und nicht der Ernährung zugeordnet wird!

Gerade bei einer veganen Fütterung möchte man alle Nährstoffe, Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe nach Bedarf füttern. Es empfiehlt sich, sowohl bei einer selbst hergestellten Ration, aber auch bei einer Fertigfutterfütterung eine Grundration mit Variationen berechnen zu lassen. Das ist eine lohnende Investition in die Gesundheit seines geliebten Hundes.

Wann Nahrungsergänzung sinnvoll ist – und wann nicht

Ob überhaupt und in welchem Umfang Nahrungsergänzungen notwendig sind, hängt von der Art der Fütterung und der einzelnen Futterkomponenten ab und kann letztlich nur durch eine Futterrationsüberprüfung festgestellt werden. Eine Blutuntersuchung auf wichtige Stoffe ist nur bedingt hilfreich, da ein Mangel erst spät im Blut sichtbar wird. Der Körper kompensiert eine Mangelversorgung lange und zeigt Krankheitssymptome entsprechend spät – und manchmal eben zu spät! Wichtig ist, dass bei einer veganen Fütterung alle essentiellen Aminosäuren zugeführt werden. So kann der Hund aus den schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cystein die wichtigen Stoffe Taurin und L-Carnitin selber bilden.

Ein Zuviel an Nahrungsergänzungsmitteln ist genauso schädlich wie eine Unterversorgung. Insofern empfiehlt sich tatsächlich eine Prüfung und gegebenenfalls Anpassung.

Eine Futterrationsprüfung ist unumgänglich

Wir unterscheiden zwischen „Futterrationsüberprüfung“, „Futterrationsanpassung“ und „Futterrationsberechnung“. Mit der Futterrationsüberprüfung kann ich eine vorhandene Futterration, egal welcher Art, hinsichtlich tatsächlichem Bedarf, Energiegehalt und Ausgewogenheit an Nährstoffen, Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen analysieren und unter Beachtung der Kriterien Rasse, Alter, Geschlecht und Kastrationsstatus, tatsächliches und anzustrebendes Gewicht, eventuelle Krankheiten oder gesundheitliche Probleme und zu erbringende Leistung des Tieres beurteilen. In einem zweiten Schritt kann ich, wenn dies nötig ist, diese überprüfte Futterration an den tatsächlichen Bedarf des Tieres anpassen. Dazu muss ich den Bedarf des Tieres kennen bzw. ermitteln. Letzteres ist auch notwendig, wenn ich ohne Kenntnis der bisherigen Fütterung eine Futterration völlig neu berechne.

Sowohl eine Futterrationsüberprüfung, als auch eine Futterrationsanpassung und eine neue Futterrationsberechnung sind sehr komplex hinsichtlich der Einflüsse auf eine optimale Gestaltung. In der Regel werden dafür Computerprogramme verwendet. Um diese Programme mit den richtigen Daten zu füttern und die Ergebnisse richtig zu interpretieren, benötige ich einiges an Wissen und Erfahrung. Es gibt wie so oft zahlreiche seriöse und unseriöse Angebote für Fütterungsberatung und Futterrationsberechnungen im Internet. Gut beraten ist man, wenn man sich an Tierärzte wendet, die sich auf die Fütterung von Tieren spezialisiert haben, da diese in der Regel den Einfluss von Rasse, Gewicht, Geschlecht, Kastrationsstatus und Alter beurteilen sowie die gesundheitlichen Probleme und Krankheiten des Tieres und die zu erbringende Leistung (Diensthund, Sporthund, Trächtigkeit, Laktation, Wachstum) bewerten können.

Was braucht das Tier?

Natürlich kann ich einfach vegan füttern. Das tun viele Hundehalter und noch mehr füttern nicht vegan – und das alles ohne Futterrationsüberprüfung oder Futterrationsberechnung. Irgendwie geht das schon. Es gibt beim Bedarf eines Tieres an Nährstoffen, Vitaminen, Aminosäuren, Mineralien und Spurenelementen einen gewissen Spielraum, in dem das Tier mit der Fütterung mehr oder weniger gut zurecht kommt. Eine Fehlernährung, wenn diese nicht gerade absolut katastrophal ist, wird relativ lange toleriert, bevor gesundheitliche Probleme auftreten. Oft werden gesundheitliche Probleme gar nicht mit der Ernährung in Verbindung gebracht. Eine Korrektur im Nachhinein ist dann oft schwierig, wie beim Menschen auch. Es erkranken oder sterben sehr viele Hunde (und Menschen) wegen einer falschen Ernährung, ohne, dass irgendjemand die Verbindung zwischen der Krankheit oder dem Tod und der Ernährung herstellt.

Wir wissen, dass etwa 90 Prozent der Fertigfuttermittel für das einzelne Tier nicht ausgewogen und bedarfsgerecht sind. Das kann ja auch gar nicht anders sein, denn die Einflüsse auf den Bedarf wie Rasse, Alter, Geschlecht, Kastrationsstatus, Gewicht, Krankheit und Leistung sind so vielfältig, dass ein Futter alleine nicht für alle Tiere passen kann. Wir empfehlen, Fertigfutter von der Menge her reduziert zu füttern und nach Berechnung dann ausgewogen und bedarfsgerecht zu ergänzen. Das ist wenig aufwändig, aber optimiert die Fütterung erheblich. Das Ganze funktioniert natürlich auch ohne Fertigfutter für eine selbstzubereitete Futterration.

An ein veganes Fertigfutter, welches als Alleinfutter deklariert ist, sind dieselben Anforderungen zu stellen, wie an jedes andere nicht vegane Fertigfutter auch.

Zuerst einmal müssen alle essentiellen Aminosäuren in ausreichender Menge enthalten sein. Weiterhin sind die essentiellen Fettsäuren im richtigen Verhältnis zueinander ein notwendiger Bestandteil. Es sollten alle Vitamine in ausreichendem Maß enthalten sein, ohne, dass bei den fettlöslichen Vitaminen ADEK ein extremer Überschuss besteht. Nicht zuletzt ist ein optimaler Gehalt an Mineralstoffen und Spurenelementen wichtig, wobei zu beachten ist, dass ein erheblicher Überschuss eines Elements ein anderes Element blockieren kann.

Aus unserer Erfahrung mit Fertigalleinfuttern awissen wir, dass diese Anforderungen mitunter nur teilweise erfüllt werden und manchmal sogar überhaupt nicht. Deshalb raten wir auch hier zu einer individuellen Futterrationsüberprüfung und gegebenenfalls –Anpassung mit Nahrungsergänzungen entsprechend dem Bedarf.

Nicht pauschal füttern!

Wie bereits aus der Frage ersichtlich wird, sind die Bedürfnisse individuell sehr verschieden und eine pauschale Fütterung kann auf lange Sicht zu Problemen führen und krank machen. Danach kann man überlegen, wie man Mangel und Überschuss korrigieren kann. Ein Zuviel ist oft ebenso schädlich wie ein Zuwenig, bezogen auf lange Zeiträume. Bei einer Trächtigkeit oder während einer Säugeperiode mit womöglich vielen Welpen ist eine Futterrationsüberprüfung mit Anpassung zwingend notwendig . Gerade bei einer veganen Ernährung. Für Hunde mit spezifischen Erkrankungen wie einer Nierenkrankheit, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Lebererkrankungen u.a. ist eine angepasste Ernährung unabdingbar, um ein Fortschreiten der Krankheit zu vermeiden und einen Genesungsprozess einzuleiten.

Dr. med. vet. Uwe Romberger
Fachtierarzt für Kleintiere Physikalische Therapie (Physiotherapie) für Tiere

Ich bin Tierarzt aus Leidenschaft. Für mich gab es immer schon keinen anderen Beruf. Ich leite, gemeinsam mit meiner Frau Christine, das „Tiergesundheitszentrum Regensburg“. Neben dem tierärztlichen Unternehmen haben wir mit eventVet eine kleine Praxis gegründet, über die wir vegane tierärztlichen Beratung anbieten.

Christine Burggraf
Fachberaterin für Tiergesundheit Tierphysiotherapeutin Osteopathie, Akupunktur

Ich liebe Hunde. Wir hatten zuhause immer welche. Heute habe ich mir einen Traum erfüllt und lebe mit meinem Mann Uwe einem großen Windhundrudel und unserem Siamkater zusammen. Wir ernähren uns alle vegan. Neben meiner Arbeit als Tierphysiotherapeutin liebe ich die Beschäftigung mit unseren Hunden bei der Veranstaltungsbetreuung.

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